Was heißt „agile“ im Unternehmen?

In den schnelllebigen Zeiten von Social Media und der digitalen Transformation fallen immer wieder die Begriffe „agile“ und „SCRUM“. Doch was verbirgt sich dahinter? Ist das gut? Muss ich das jetzt auch machen?

Schon in den 1950er Jahren beschrieb der US-Soziologe Talcott Parsons die Bedingungen, die ein soziales System erfüllen muss, um seine Existenz aufrecht zu erhalten und nutzte dafür die Abkürzung AGIL: Adaptation (Anpassung), Goal Attainment (Zielverfolgung), Integration (Eingliederung) und Latency bzw. Latent Pattern Maintenance (Aufrechterhaltung). Damit sollte die optimale Anpassung auf Veränderungen gewährleistet werden.

Erst rund 50 Jahre später gab es mit dem „Agilen Manifest“ eine Übertragung dieses Ansatzes weg von Gesellschaften und Staaten hin zu Unternehmen und Teams – hier speziell in der IT- Branche. Die Autoren formulierten Prinzipien und Handlungsempfehlungen, die die starre Aneinanderreihung und lineare Abarbeitung der einzelnen Abläufe in der Softwareentwicklung durch eine schnellere und flexiblere Vorgehensweise ersetzt. Durch die Aufteilung der Prozesse in sog. Sprints, die je ca. 2-4 Wochen dauern, und die kontinuierliche Einbeziehung aller am Projekt Beteiligten ist eine schnelle Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen gegeben und die zeitnahe Problembehebung möglich.

Einige der im „Agile Manifesto“ genannten Prinzipien finden heute in der „SCRUM-Methode“ Anwendung. Dazu gehört nicht nur das tägliche Zusammenarbeiten über Gespräche von Angesicht zu Angesicht und das Vertrauen darauf, dass die Projektmitarbeiter im selbstorganisierten Team ihre Aufgabe erledigen, sondern auch das regelmäßige Reflektieren des Teams, wie es effektiver werden kann.

Gegenwärtig lässt sich die Methode des agilen Arbeitens auf nahezu jeden Unternehmensbereich übertragen. Nicht mehr nur die einzelnen Prozesse sind agil, sondern die gesamte Unternehmenskultur. Dazu zählt auch die entsprechende Personalentwicklung durch die Führungskräfte. Gerade während der Umstellung auf ein agiles Unternehmen müssen die Arbeitnehmer „mitgenommen“ werden und ihnen die Vorteile dieses Change-Prozesses vermittelt werden. Durch das agile Arbeiten lernen die Mitarbeiter Eigenverantwortung, schauen über ihren eigenen Tellerrand hinaus, beginnen unternehmerisch zu denken und gewinnen die Einsicht, auch Fehler machen zu dürfen.

Das Ziel der Führungskräfte sollte dabei sein, statt klassischer Hierarchien Teams mit Handlungsfreiheit, Selbstbestimmung und Verantwortungsbereitschaft zu schaffen. Diese arbeiten am effektivsten, wenn sie möglichst wenige feste Vorgaben erhalten, was wiederum ein hohes Vertrauen der Führungskräfte erfordert. Doch durch Wertschätzung, offene Kommunikation und Respekt werden bei den Teammitgliedern die Neugierde und der Mut geweckt, Neues auszuprobieren, unkonventionelle Schritte in die Überlegungen einzubeziehen und andere Wege als die bisherigen zu beschreiten.